Interview in der Lokalzeitung BiBo (6.8.20)


"So wurde ich nach und nach zur Auszeit-Expertin"

In der BiBo Ausgabe 30 vom 23. Juli haben wir an dieser Stelle über einen neuen Virus berichtet. Ausgelöst hat ihn eine charismatische Powerfrau – und dieser bis dato unbekannten Virus namens Viproli-20 ist gutartig und wird die Welt zum Besseren verändern.

Wir gehen davon aus, dass nicht nur die Leserschaft aus Ettingen Monika Keller und Ramona Wunderlin, kennt. Das folgenden Interview soll allen Mut und Zuversicht machen - gerade sogenannte Krisenzeiten sind auch immer eine neue, grosse Chance.

BiBo: Dürfen wir ein paar Eckdaten zu Ihrer Person und den beruflichen Werdegang erfahren?

Monika Keller: Freiheit und Selbstbestimmtheit – meine wichtigsten Werte, die mich seit jeher begleiten. 1967 wurde ich als Jüngste in unsere fünfköpfige Familie hineingeboren. Wir wohnten in einer kleinen Wohnung im Basler Breitequartier.

Nach einer Laboranten-Lehre in der Chemie folgten eine kaufmännische Ausbildung und Sprachaufenthalte in den USA, England und Frankreich. Menschen interessierten mich, so absolvierte ich die Eidgenössische Personalfachausbildung, später das Masterstudium in Human Resources sowie diverse Coaching-Ausbildungen.

Es eröffneten sich stets neue Jobmöglichkeiten: Während 20 Jahren – bis 2016 – arbeite­te ich als Personalverantwortliche in verschiedenen Rollen und Firmen. Zwischendurch nahm ich mir immer wieder längere Reise-Auszeiten, neun insgesamt. Das Bedürfnis da­nach kam meist dann, wenn der Job zur Routine wurde. Die mit der Auszeit verbundenen Gefühle wurden für mich mehr und mehr unverzichtbar und Sabbaticals zum festen Be­standteil in meinem Leben. So wurde ich nach und nach zur Auszeit-Expertin – dies übri­gens zusammen mit meinem Partner Adrian Münger. Seit 20 Jahren realisieren wir ge­meinsam unsere vielfältigen Rauszeiten.

Die Zeit war reif, die Erfahrungen in einer Selbständigkeit anzubieten. Seit Ende 2015 bin ich nun glückliche Inhaberin der Rauszeit Agentur GmbH in Basel/Ettingen. Die Grundidee dafür bildete die Auszeitberatung.

Heute bieten wir eine Vielzahl sich ergänzende Dienstleistungen an. Viele verbinden ihre Auszeit gleich mit einer beruflichen Neuorientierung. Daraus entstand das Jobcoaching. Das Entwickeln und Realisieren von Visionen vermitteln wir in den Visions-Seminaren. Als zertifizierter Coach (ICF, Wellbeing- & Resilienz) darf ich Menschen dabei begleiten, mehr Leichtigkeit und Klarheit in ihr Leben zu bringen. Gemeinsam mit einem Finanz- und Versi­cherungsexperten geben wir zudem Pensionierungsseminare.

Sie haben Ihre „Rauszeit“-Agentur erwähnt. Braucht jeder Mensch irgendwann mal in seinem Leben eine (R-)Auszeit respektive Time-Out, wie wir es im Sport (zum Bei­spiel Basketball) kennen?

Wie Sportler im intensiven Spiel ihr Time-Out benötigen, braucht es der Mensch im for­dernden Alltag. Laut der XING-Sabbatical-Studie von 2017 hat bereits jeder Zehnte eine Auszeit genommen und jeder Fünfte liebäugelt damit. Auszeitler berichten jeweils begeis­tert, dass sie über sich hinausgewachsen sind, Grenzerfahrungen machten, den Horizont erweiterten und viel Neues über sich, die Natur und die Welt lernten. Es muss übrigens nicht immer die Weltreise sein, man findet auch in der Schweiz oder im nahen Europa Er­füllung. Auch Arbeitgebende haben die Vorzüge von Auszeiten erkannt: Mitarbeitende kommen gestärkt, offener und kreativer zurück.

Wovon hängt eigentlich die Psyche eines Menschen ab? Familie? Beruf? Geld?

Unter «Psyche» verstehen wir grob das Denken, das Fühlen und die Wahrnehmung. Die­se Qualitäten sind nur teilweise angeboren und verändern sich aufgrund unserer Erfahrun­gen. Beeinflusst wird die Psyche auch durch einen unachtsamen Umgang mit Bedürfnis­sen und Emotionen. Ereignisse wie Krisen, Verletzungen und Misserfolge sind im Leben unvermeidbar. Aber wie können wir darauf reagieren und wie resilient sind wir? Und kön­nen wir das selber beeinflussen? Gewiss, mit oder auch ohne Unterstützung kann uns dies gelingen. Wir können also das Denken, das Fühlen, die Wahrnehmung und in der Folge unser Handeln bewusst steuern. Im Coaching oder den Seminaren gehen wir dar­auf ein.

Glauben Sie, dass das Coronavirus dazu führt respektive führen wird, dass viele Menschen sich beruflich neu orientieren müssen? Können Sie Menschen, die aus dem Arbeitsprozess gefallen sind, helfen?

Die Corona-Krise regt viele zum Überdenken der eigenen Job-Situation an. Zudem wer­den Firmen vermehrt gezwungen, Arbeitsplätze zu streichen. Nebst Corona wirken dabei aber natürlich noch andere Kräfte mit. Sich in der beruflichen Neuorientierung helfen zu lassen, ist verbreitet. Seit vielen Jahren unterstütze ich Menschen dabei, ihren Weg zu fin­den und ihn gestärkt zu gehen. Auch das Bewerben hat sich verändert. Dies spüren insbe­sondere Personen, die sich vor Jahrzenten letztmals um eine neue Arbeitsstelle kümmern mussten. Viele sind mit all dem, was es zu beachten und zu tun gilt, überfordert.

Sie müssen den Menschen Optimismus und Zuversicht vermitteln? Könnte dies manchmal nicht auch einfach «bloss» ein Zweck-Optimismus sein?

Gewiss können mein Optimismus und meine Ruhe teilweise ansteckend sein. Wie beim Virus des Guten (VIPROLI-20; siehe vorletzte BiBo-Ausgabe), der sich derzeit in Ettingen verbreitet! Angesteckte erlangen, quasi über Nacht, mehr Klarheit, tiefes Vertrauen, Freu­de und Zuversicht im Leben. Dies hilft im Alltag, in Beziehungen und im Beruf. Die Frage hier an Sie als Leserin und Leser: Was würde sich in ihrem Leben alles zum Positiven ver­ändern?

Bei meiner Arbeit fokussiere ich bei den Klientinnen und Klienten auf deren Ressourcen, Erfolge, Vorstellungen und Möglichkeiten. Wir machen Stärken und Erfolge sichtbar und entwickeln mögliche positive Zukunftsszenarien. Aus Erfahrung und aus Studien wissen wir, dass Negatives sechsmal länger und tiefer hängen bleibt als in der Menge gleichviel Positives. Sprechen und schreiben wir also vermehrt über das Übel, das Problem und das Risiko, werden wir mehr davon sehen und wahrnehmen. Ein einfaches Naturgesetz.

Optimismus hat also tatsächlich einen Zweck. Sich Herzenswünsche zu erfüllen und Ver­änderungen einzuleiten, braucht eine ansprechende Vision und Zuversicht. Ich stelle mir die Pizza im Restaurant ja auch gross, frisch, knusprig und wohlriechend vor. Sonst hätte ich nämlich gar keine Lust darauf und würde den Weg dorthin gar nicht erst unter die Füs­se nehmen.

Wie erleben Sie den Alltag im «Guggerdorf» und wie würden Sie einem Ortsfremden ihr ganz persönliches Ettingen beschreiben/schildern?

Ich finde Ettingen perfekt. Mir gefällt die Nähe zur Natur und die gute Stadtanbindung mit dem ÖV. Ich mag die Bauernhöfe und Hofläden – generell auch die vielfältige Infrastruktur zum Ein­kaufen im Dorf. Wir haben zudem eine tolle Nachbarschaft. Die Menschen grüs­sen sich im Dorf, man kommt rasch in Kontakt, wenn man will. Die Nachbarschaftshilfe während dem Lockdown hat dies noch mehr gefördert. Und hoffentlich dürfen wir bald wieder die originellen Anlässe im Dorf geniessen.

Wir sind sicher, dass diese Chronik vielen Leserinnen und Lesern neue Denkanstösse und Impulse gegeben hat. Und es ist mir ein persönliches Anliegen, Frau Keller (Merci, Moni­ka) für das Interview mit so viel Profundität und Tiefgang herzlichst zu danken.

(Das Interview führte Georges Küng, Chefredakteur BiBo)

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